Roland Bauer: Habilitationsprojekt


“Dialektometrische Analyse des Sprachatlasses des
Dolomitenladinischen und angrenzender Dialekte (ALD I)”

“Dialectometric Analysis of the Linguistic Atlas of
Dolomitic Ladinian and Neighbouring Dialects (ALD I)”

(Auszug aus dem Projektantrag an den FWF, März 2000)

3. Gewählte Methodik

Um die in 1.2. skizzierten Projektziele zu erreichen, sind folgende Arbeitsschritte nötig (in chronologischer Reihenfolge):

a)    Bibliographische Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes zur Dialektometrie (innerhalb und außerhalb der Romanistik). Abfassung eines Forschungsberichts in Form einer kommentierten Bibliographie.

b)   Begleitende, externe Programmiertätigkeit zur Verbesserung bestehender Software-Lösungen (u.a. Implementierung einer Schnittstelle zwischen IRS-Index Retrieval System, dem Datenanalyse-Tool des ALD I, und dem Dialektometriepaket VDM) sowie zur Erweiterung des Vorrats an dialektometrischen Methoden und Verfahren (Upgrades bestehender Systemkomponenten).

c)    Methodische Prämisse: Erstellung eines standardisierten Kodierungsschemas zur Taxierung aller Karten des ALD I. In diesem Zusammenhang müssen zunächst alle in Frage kommenden, meist lateinischen Nexus (i.e. phonetische, morphologische oder lexikalische Merkmale) isoliert und zusammen mit den möglichen Merkmalsausprägungen in den untersuchten romanischen Dialekten (Bündnerromanisch, Lombardisch, Trentinisch, Dolomitenladinisch, Venedisch, Friulanisch) in Form einer Datenbank erfaßt werden. In weiterer Folge wird jedem Nexus/Merkmal und den dazugehörenden Ausprägungen ein eindeutiger Code zugewiesen. Die solcherart generierte, a priori offene Tabelle dient sowohl als Grundlage für die Taxierung der Sprachatlaskarten/Kodierung der Taxierungserträge als auch als wesentliches Hilfsmittel für eine differenzierte dialektometrische Analyse, da die vergebene Kodierung den Zugriff auf Subcorpora, also die Auswahl von Untermengen des Gesamtcorpus je nach linguistischem Erkenntnisinteresse erlaubt (z.B. rein lexikalisch basiertes Teilcorpus; konsonantisch vs. vokalisch relevante Daten; Eliminierung bestimmter Merkmalsgruppen aus dem Gesamtcorpus). Darüberhinaus kann das Kodierungsschema als Kontrolltabelle fungieren, anhand derer die Codes aller Taxierungen (und somit die Taxierungen selbst) auch noch a posteriori transparent nachvollzogen/verifiziert werden können, was bei bislang publizierten Auswertungen von Sprachatlanten in der Regel kaum möglich ist.

d)   Computergestützte Taxierung idealiter aller Merkmalsträger (i.e. aller Sprachatlaskarten) des ALD I nach möglichst vielen einzelnen Merkmalen. In EDV-technischer Hinsicht soll hier hauptsächlich das im Rahmen des FWF-Projekts ALD I entwickelte Index Retrieval System (IRS) zum Einsatz kommen (und erweitert werden), dessen Tauglichkeit bereits im Vorfeld getestet werden konnte.

e)    parallel zu d): Manuelle Taxierung von unter d) nicht abarbeitbaren Sprachatlaskarten. In weiterer Folge können die Erträge bereits (computergestützt und manuell) taxierter Teilcorpora in Form von Dichtekarten visualisiert werden.

f)      Standardisierte Erfassung, i.e. Eingabe aller in den Arbeitsschritten d) und e) gewonnenen Taxierungserträge/Taxate in Datenmatrizen zur Generierung einer (möglichst plattformunabhängigen) Datenbank sowie deren Korrektur.

g)    Verrechnung der solcherart erstellten Datenmatrix: Erstellung von Ähnlichkeits- bzw. Distanzmatrizen unter Einsatz verschiedener Maße; numerische Klassifikation am PC mittels Tools aus dem im Rahmen der FWF-Projekte “Dialektometrie” erstellten Programmpaket VDM (VisualDialectoMetry).

h)   “Zeitgemäße” (i.e. benutzerfreundliche, heuristisch hochwertige) Visualisierung der unter g) erzielten Verrechnungsergebnisse (Ähnlichkeitsprofile, Synopsekarten, Isoglossenkarten, Dendrogramme usw. unter Einbindung gängiger GIS-Systeme).

i)      Interpretation der Ergebnisse; Überprüfung von Hypothesen; Abfassung des Textteils.

1. Problemstellung/Stand der Forschung

2. Projektziele


Zurueck zu ALD-DM, Roland Bauer (E-Mail, #43-662-8044-4485)