VDM - Funktionen des Programms

In VDM sind die wichtigsten Methoden für die dialektometrische Auswertung von Sprachatlanten implementiert und in eine intuitiv bedienbare, visuelle Oberfläche zusammengefaßt. Das Programm wurde im Rahmen des Dialektometrieprojektes seit 1998 an der Universität Salzburg entwickelt (Leitung: Prof.Dr.H.Goebl; Programmdesign und Realisierung Dr.E.Haimerl ).

Hand in Hand mit der Programmentwicklung wurden die Daten verschiedener Atlanten für die dialektometrische Verrechung und Visualisierung mit VDM aufbereitet. Mit dem Menübefehl Datei-Projektdatei laden kann einfach und schnell zwischen diesen Projekten gewechselt werden. Eine Liste der verfügbaren bzw. in Vorbereitung befindlichen Projekte sowie Detailinformation finden Sie hier. Im Folgenden wird VDM anhand der Projektdaten des ALF beschrieben.

Die Taxierung einer einzelnen Atlaskarte entspricht der Beobachtung eines einzelnen Phänomens. Erst mathematisch - statistische Auswertungen einer Vielzahl taxierter Karten erlauben statistisch relevante Aussagen über komplexe Phänomene, z.B. über das Gesamtphänomen der Palatalisierung, über den Vokalismus insgesamt, über Variationen im Lexikon oder die geolinguistische Grundstrukturen eines gesamten Atlaswerks. Deshalb deckt VDM den ganzen Bereich ab von der

  1. Darstellung und Verwaltung einzelner taxierter Karten über die
  2. Auswertung der Datenmatrix, die Berechnung der Ähnlichkeitsmatrix bis hin zu
  3. verschiedenen Möglichkeiten der Visualisierung der in der Ähnlichkeits- oder Distanzmatrix enthaltenen Strukturen.

1) Verwaltung einzelner taxierter Karten

Die Taxierung¸ sei sie nun händisch (wie z.B. im Fall der Taxierung von ALF Karten) oder automatisch (wie bei der Auswertung des ALD mit dem Programm IRS), stellt immer den Anfang der Vermessung von Sprachatlanten dar (siehe „DM – Verfahrenskette“). In der Terminologie der Dialektometrie gesprochen, ergeben eine größere Anzahl taxierter Karten zusammengenommen die Datenmatrix für die dialektometrische Auswertung.
VDM greift auf eine relationale Datenbank moderner Konzeption zu. Oben im Toolbar werden Kartentitel zur Auswahl angezeigt (im Bild aufgeklappt), in den Fenstern erscheint dann (1) die jeweilige Karten mit den (beliebig eingefärbten bzw. einfärbbaren) Taxaten, (2) die Liste der Taxate und (3) in einem Dialog Zusatzinformationen zum angeklickten Ort. Der Benutzer kann die Position der Fensterelemente ganz seinen Vorstellungen anpassen: Alle Unterfenster sind frei beweglich und andockbar. Daneben können die Daten in Listenform angezeigt werden - diese Ansicht wird meist bei der Korrektur der Daten benutzt. VDM kann zudem die Datenliste jeder Karte einzeln als RTF-file exportieren.

2) Auswertung der Datenmatrix

Aufbauend auf dieser Datenmatrix bietet VDM folgende fundamentale Auswertungsalgorithmen:

3) Verschiedene Möglichkeiten der Visualisation

Auf den interaktiven Polygonkarten werden Tiefenstrukturen des jeweils untersuchten Dialektgebiets, i.e. Strukturen der Ähnlichkeitsmatrix zur Darstellung gebracht - methodische Details finden Sie im Abschnitt Verfahrenskette erläutert.

Die Polygone dieser Karten wurden nach dem Verfahren von Voronoi (deshalb auch Voronoi-Diagramme genannt) mit der GIS-Software MapInfo erzeugt  und können in VDM importiert werden. Die übrigen Informationen auf der Karte (Texte, Überschrift u.ä.) wurden auf mehreren Layern in MapInfo erzeugt und als Windows Metafile in VDM geladen.

VDM hält die geladene Ähnlichkeitsmatrix im Arbeitsspeicher des Rechners bereit und errechnet entsprechend den jeweiligen Einstellungen in Sekundenschnelle die Synopsewerte aus der Matrix, zugehörige Segmentintervalle, Polygonfarben, Häufigkeitsverteilung usw. und bringt die neue Karte zur Darstellung.

Das Bild zeigt, wie durch Klick auf ein Polygon der Karte der Prüfsbezugspunkt schnell verändert werden kann. Dadurch wird es erstmals möglich, interaktiv Dialektgebiete zu erforschen: Man erkennt klar die Nord/Süd Teilung Frankreichs (langue d'oïl-langue d'oc) und man kann Übergangszonen abgehen. Beim schrittweisen Übergang von Nord nach Süd bleibt die Struktur relativ lange stabil um dann in einen schmalen Übergangsstreifen umzuschlagen, der am Ausgang des Massif Central (croissant) in den südlichen Bereich umkippt.

Diese Karte beruht auf der gleichen Ähnlichkeitsmatrix wie die vorhergehenden Abb. von VDM, doch wurden die Ähnlichkeitswerte in Distanzwerte nach der Formel D = 100 - Ä umgerechnet. Die Unterschiede zwischen den Orten werden durch verschieden dicke Grenzlinien gekennzeichnet. Dabei gilt das grundsätzliche Prinzip: je dicker desto blauer, je dünner desto roter. Dicke Linie markieren die großen Abstände, d.h. erzeugen Isoglossenbündel, während die dünnen Grenzlinien für geringe Distanzen stehen.

Natürlich können alle Ergebnis ausgedruckt (incl. Layoutvorschau) oder die einzelnen Fenster als Metafile zur weiteren Bearbeitung exportiert werden.  


Autor: E.Haimerl
letzte Änderung dieser Seite am: